Entscheidungen intelligenter treffen

Entscheidungen intelligenter treffen

Entscheidungen intelligenter treffen

„Mit dem Auto bin ich schneller dort“, entscheiden wir in der Früh. Eine halbe Stunde später, im Mega-Stau steckend, erst dämmert uns, dass wir uns eigentlich nur aus Bequemlichkeit gegen den Zug entschieden hatten. „Der Experte passt perfekt in unser Team, den nehmen wir“, und fragen uns vier Wochen später, was wir uns eigentlich dabei gedacht haben, diesen Störenfried einzustellen? „Dieser Fonds läuft super, die Branche ist auf Wachstumskurs, da muss ich einfach mein Geld anlegen“ – eine Entscheidung, die wir nach dem 20%igen Kursrückgang ein halbes Jahr später im Grunde nicht mehr nachvollziehen können. Und anstatt auszusteigen, entscheiden wir uns drin zu bleiben und vergrößern die Verluste Tag für Tag.

Wie wir ticken

Entscheidungen über Entscheidungen, den ganzen Tag, das ganze Leben. Wenn überhaupt, dann nehmen wir Entscheidungen gerade noch als ein Mix aus Fakten-Denken und Intuition wahr – aber wissen wir wirklich etwas davon, was bei Entscheidungen in unserem Kopf, in uns selbst so vor sich geht? „Das Gehirn tut nicht immer, was wir wollen“, titelte vor einigen Jahren die Wirtschaftswoche. Zwar bilden wir uns ein, wir würden Erwägungen anstellen, Kosten-Nutzen-Kalkulationen durchführen, Wahrscheinlichkeiten berechnen. Meist stimmt das sogar. Aber das letztliche Kalkül, die finale Entscheidung sieht dann oft ganz anders aus – wie wir leider meist erst im Nachhinein feststellen. Siehe unsere Eingangsbeispiele. Schauen wir uns daher etwas genauer an, wie Entscheidungen zustande kommen, was uns bei Entscheidungen denn so passiert. Und wie wir mit diesem Wissen – und mit Achtsamkeit – zu besseren Entscheidungen kommen können.

„Objektiv“ entscheiden? Sicher nicht!

„An jedem Entscheidungsprozess sind viele verschiedene Hirnregionen beteiligt, die sich wechselseitig beeinflussen …“ beschreibt der der Hamburger Neurowissenschaftler Thomas Donner im Spektrum der Wissenschaft das komplexe Wechselspiel im Gehirn. Und kommt dann zu einer gravierenden Erkenntnis:  Vor allem der „Aktivierungszustand der Großhirnrinde … bestimmt den Ausgang einer Entscheidung mindestens genauso wie Tatsachen“ (!).  Mit anderen Worten: Während Sie glauben, sie entscheiden „objektiv“ und unbeeinflusst nur aufgrund von Tatsachen, beeinflussen Botenstoffe wie Noradrenalin Ihren Hirnzustand und damit das Ergebnis Ihrer Entscheidung. Im Mindful-Solutions-Blog vom Oktober 2016 ist uns dieser Stoff schon einmal begegnet: „Bei andauernd starkem Stress fällt der Noradrenalin-Pegel auf tiefe Werte. Deshalb kommt es zu einer unheilvollen Verbindung: hoher Stress, Müdigkeit und starke Konzentrationsmängel“. Und damit entscheiden wir völlig anders, oftmals aggressiver, ungeduldiger, engstirniger. Das sollte uns im heutigen Berufsalltag dann doch sehr zu denken geben. Daher: achtsam weiterlesen …

Unser Gefühl entscheidet  immer mit!

Nicht nur unser Denk-Apparat im Gehirn, der Cortex, ist an Entscheidungen beteiligt. Denn dieser wiederum ist sehr eng mit dem limbischen System verknüpft, unserem „emotionalen Gehirn“. Grob gesagt erfolgt mit dem Cortex die Bewertung der Sinneseindrücke, der Informationen also und mit dem limbischen System die gefühlsmäßige Bewertung, die dafür auch tief in die Vergangenheit und die dort gemachten Erfahrungen zurückgreift. Da flüstert unser Gefühl uns dann „etwas“ zu.

Das kann richtig sein, das kann falsch sein. Vielleicht sind die „alten“ Erfahrungen einfach nicht mehr relevant, dann könnte uns das Gefühl in die falsche Richtung der Entscheidung leiten. Vielleicht  aber sind die Erfahrungen aufgrund der allergleichen Situation abgespeichert, dann könnte uns das Gefühl „warnen“ oder bestärken. Also: Achtung! Bei Entscheidungen sich nur auf das Gefühl verlassen, bringt nichts. Da kann vieles drinstecken, was nicht dazugehört. Daher sollte man schon sehr achtsam in sich-hinein-hören können. Die Wissenschaftlerin Francesco Gino von der Harvard Business School spricht davon, vor Entscheidungen die „emotionale Temperatur“ bei sich zu überprüfen.  Also einen achtsamen Selbst-Check zu machen.

Geld und Emotion

Das gilt ganz Besonders für unsere Finanzentscheidungen, auch wenn wir Profis sind. Unser Verhältnis zum Geld, zu Finanzen ist stark aus unserer Vergangenheit bestimmt und im Grunde hoch emotional (ob wir das merken oder nicht).  Und das ist gut so, das können wir nutzen. Denn Emotionen sind weder gut noch schlecht, sie sind, ganz nüchtern betrachtet, zunächst einmal nur eines: Botschaften! Und die sollten wir lesen können, deuten, akzeptieren. Denn erst dann können wir sie als eine wertvolle Informationsquelle für uns nutzen, gerade bei Finanzentscheidungen. MINDFUL FINANCE geht von eben diesem Ansatz aus (viel mehr dazu in Kürze auf einer eigenen Website des „MINDFUL FINANCE INSTITUTE“.)

Achtsam sein ist „smart“

Wollen wir diese Erkenntnisse in praktisch anwendbares Wissen ummünzen,  dann sollten wir vorher noch eines tun: die Phasen und Abläufe eines Entscheidungsprozesses zu kennen. INSEAD-Forscherin Natalia Karelaia beschäftigte sich mit der Ausgangshypothese Why Mindful Individuals Make Better Decisionsund schaute sich dafür den Entscheidungsprozess in vier Phasen an. Und in jeder dieser Phase könnten wir einerseits bereits katastrophale Fehler machen. Wir könnten andererseits aber da schon unser Wissen sowie die spezifischen Bedingungen nutzen, um mit Achtsamkeit (siehe hierzu auch „Die 6 Prinzipien der Achtsamkeit“) unsere Entscheidungsgüte zu verbessern. Denn als Leser meines Mindful-Solutions-Blogs wissen Sie ja: es gibt immer auch die achtsame Lösung, den achtsamen Zugang!

Phase 1 „muss ich überhaupt entscheiden?“.Dazu brauchen Sie Klarheit über Ihre Ziele, müssen sich auch manchmal über eine alte Entscheidung hinwegsetzen, insbesondere dann, wenn es darum geht, weitere Verluste bei einer Geldanlage zu vermeiden. In der Fachsprache ist das der sog. „sunk cost bias“ oder volkstümlich „gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen“. Man möchte sich einen eigenen Fehler nicht eingestehen und hält trotzig dagegen. Und vergrößert damit oftmals die Verluste weiter. Da hilft nur eines: Innehalten, In-sich-hineinhören, sich aller Ausreden zum Trotz aus einer „Meta-Perspektive“ heraus auf die Schliche kommen („ach komm, das wird schon wieder besser, da muss ich mich jetzt nicht entscheiden…“; „morgen geht auch noch …“) und sich – unvoreingenommen – den Fehler einzugestehen („akzeptieren“).

Phase II „was brauche ich an Informationen?“. Da spielen auch die Werte und Ziele eine große Rolle. Und vor allem die Unsicherheit, von der wir stets mehr oder weniger in Entscheidungen haben. Bin ich mir über meine Risikoneigung, meinen Umgang mit Unsicherheiten nicht im Klaren, dann werde ich säckeweise Informationen sammeln, die nicht im Mindesten zu einer besseren Entscheidung beitragen. Aber man fühlt sich gut, man tut ja was.  Also auch hier wieder mit Achtsamkeit die Meta-Ebene besteigen (Natalia Karelaia spricht von einem metaphorischen „Balkon“) und von dort oben aus der Distanz auf sich selbst, auf seine Gedanken und Gefühle zu schauen: wie geht es mir mit Risiko, mit Unsicherheit? Stecke ich fest? Was von den Informationen ist relevant? Dreh ich mich im Kreise? Will ich wirklich entscheiden? Auch der achtsame „Blick des neugierigen Anfängers“ kann hier Erstaunliches zutage bringen.

Phase III „so mache ich das jetzt!“.Die eigentliche Entscheidung. Da sprechen vielleicht einige der Informationen dafür, der Bauch aber dagegen – oder umgekehrt. Spätestens hier wird der achtsame Blick auf sich vom „inneren Balkon“ zur Pflicht.  Was ruft mir da die Intuition zu? Trifft das heute zu? Welche Brille habe ich auf, d.h. kenne ich meine Voreingenommenheiten (biases)? Wie fühle ich mich gerade, emotional und kognitiv? Stress, Ärger, Abneigung, Ängste, Müdigkeit vorhanden? Denken Sie an das Noradrenalin – denn davon haben Sie möglicherweise zu wenig, ihr Großhirnrinde ist nicht ausreichend aktiviert: Dann entscheiden eben unbewusste Vorgänge im Gehirn – aber nicht Sie in einem wachen, präsenten Zustand. Schade. Die Achtsamkeits-Prinzipien „akzeptieren, loslassen, nicht werten“ wirken wahre Wunder und machen Achtsamkeit zu d e m Parameter bei der Entscheidungsfindung.

Phase IV „was lerne ich daraus?“.Hier sind vor allem Akzeptanz und Loslassen so wichtige Prinzipien. Sich klar zu machen, dass man falsch lag („akzeptieren“) und sich dann von allen möglichen Ausreden und Voreingenommenheiten lösen kann („loslassen“) trägt wohl am Besten zu einem klaren Feedback, zum Lernen bei. Achtsamkeit hilft vor allem, nicht in der Vergangenheit stecken zu bleiben. Indem Sie sich auf das JETZT konzentrieren, verlieren auch negative Emotionen ihre Kraft und lassen Lernerfahrungen zu.

Klar, oder?

„One 15-minute focused-breathing meditation may help people make smarter choices“, war das Ergebnis eines Forschungsprojektes der renommierten INSEAD Business School.Ist doch eine klare Ansage! Und da sehr viele unsere Entscheidungen Geld und Finanzen betreffen, gewinnt Achtsamkeit gerade hier seine große Bedeutung. Ob bei täglichen Geldentscheidungen oder im unternehmerischen Risiko-Entscheidungs-Kontext: Achtsamkeit kann neue Lösungsansätze aufzeigen. Mindful Solutions eben. Oder? Was meinen Sie? Was sind Ihre Erfahrungen?

Herzlichst,

Ihr Friedhelm Boschert

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